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Holbeinstraße 10

 

Das Verwaltungsgebäude in der Holbeinstraße 10 wurde im Jahr 1901 von Jean Keller für die Landesversicherungsanstalt für Schwaben und Neuburg im Stil der Neorenaissance geplant. Das Gebäude befindet sich an einer wichtigen Position im Stadtgrundriss zwischen der Augsburger Altstadt und dem Hauptbahnhof.

 

Wie war Augsburg im 19. Jahrhundert?

Besonders wichtig für die industrielle und städtebauliche Entwicklung Augsburgs im 19. Jahrhundert war der Bau des Bahnhofes im Jahr 1846, welcher bis heute der älteste betriebene Bahnhof einer deutschen Großstadt ist. Er entwickelte sich schnell zu einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Bayerns. Jedoch lag er für damalige Verhältnisse weit vor den Toren Augsburgs, weshalb ab den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts die Fläche zwischen der Innenstadt und dem Bahnhof erschlossen wurde. Ein wichtiger Faktor für die Stadtentwicklung war die Aufhebung des Reversrechts im Jahr 1866, welches Baumaßnahmen außerhalb der Stadtmauer für den Verteidigungsfall stark einschränkte.

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Bauherr und Entstehung 

Die Gebäude auf der Nordseite der Holbeinstraße wurden für die Versicherungsanstalt für Schwaben und Neuburg geplant und gebaut. Diese bezog das Hauptgebäude in der Holbeinstraße 10 im Oktober 1901 und nutzte es bis ins Jahr 1960. In vielen Quellen zu diesem Objekt ist auch das Baujahr 1910 zu finden, welches sich aber höchstwahrscheinlich auf einen Wettbewerb zur Bebauung des Prinzregentenplatzes bezieht. Jean Keller datiert in seiner selbst verfassten Werkübersicht das Baujahr auf 1901 und auch die heutige Deutsche Rentenversicherung Schwaben protokolliert den Einzug von 18 Mitarbeitern ins neue Verwaltungsgebäude in der Holbeinstraße 10 im Oktober 1901. 

Holbeinstraße 10 im Jahr 1901
 

Originalplanungen von 1901

Das repräsentative Gebäude besteht aus einem Mitteltrakt, welcher sich zur Holbeinstraße orientiert und zwei Seitenflügeln, welche sich in den Hinterhof erstrecken. Ursprünglich gab es am Ostflügel einen Anbau, den sogenannten «Kartensaal», welcher jedoch eine auffallend andere Gestaltung und Struktur hatte. Eine Dokumentation vom Mai 2007 sollte die Frage klären, ob dieser Kartensaal zeitglich mit dem Hauptgebäude entstanden ist oder einer späteren Bauphase entstammte. Es wurden Untersuchungen am Gebäude vorgenommen und es kam heraus, dass der Anbau in einem Zug mit dem Hauptgebäude entstanden ist. 

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Was ist übrig vom Original?

Eingangs-Bogenportal

 

Das aufwendig gestaltete und repräsentative Eingangsportal aus Kalkstein ist ein besonderes Schmuckstück am Gebäude. Es wird von zwei Säulen mit dorischen Kapitellen umrahmt, welche die Gliederung der Bandrustika aufnehmen und abwechselnd dicker und dünner sind. Die Randabschlüsse des Gebälks ahmen Triglyphen nach und darüber folgt das Gurtgesims, welches sich über die gesamte Gebäudelänge erstreckt. Der mächtige gesprengte Segmentgiebel umrahmt ein steinernes Balkongeländer. Darunter befindet sich eine florale Ornamentik, welche in den Schlussstein des Tür-Rundbogens mündet. Die hölzerne Eingangstür ist im Original erhalten und fällt besonders durch das großzügige Oberlicht auf.

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Was ist über die Zeit verloren gegangen?

Östlicher Torbogen und Skulptur über dem Mitteltrakt

 

Als einziger original-Plan ist die Südansicht von Jean Keller bis heute erhalten. Auf dieser Zeichnung und auf alten Fotos erkennt man eine Skulptur über dem Mitteltrakt. Diese Skulptur ist heutzutage nicht mehr erhalten. Darüber hinaus erkennt man einen Torbogen auf der Ostseite, was die ursprüngliche Symmetrie  unterstreicht. Heutzutage ist nur noch der Torbogen auf der Westseite erhalten. 

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Weitere Jean Keller - Bauwerke in Augsburg

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Lukas Junginger, Hochschule Augsburg